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Aromatherapie: Der Duft der Immortelle

Sie riecht ein wenig nach Curry und vereint in sich die wärmende und stärkende Kraft der Sonne. Aber welche ihrer Eigenschaften hat der Immortelle den Namen „Unsterbliche“ eingetragen? Ein Erntebesuch auf Korsika

Sobald die Sonne über Korsika den nächtlichen Tau getrocknet hat, wird es Zeit für die Ernte der Immortelle. Jener intensiv riechenden Pflanze, die auf der ganzen Insel zwischen der Macchia blüht, an deren Duft Napoleon einst seine Heimat erkannt haben will. Vor uns liegt ein Feld goldgelber Blüten, die sich im Morgenlicht wiegen. Und durch die schon warme Luft ziehen herb-würzige, leicht süßliche Duftschwaden, die an Curry erinnern.

Männer mit Handschuhe ernten mit einer Sichel die Immortellenpflanzen
Immortellenernte auf dem Gut Bordeo der Familie von Keyserlingk
Foto: privat


Mit Handschuhen bewehrt, streifen die Erntehelfer von Gut Bordeo durch die Reihen. Mit der Sichel schneiden sie dicke Büschel des Krauts ab. Etwa 20 Zentimeter unterhalb der Blütenköpfe und nicht zu tief, damit die verholzten Stängel nicht verletzt werden und die Pflanzen wieder besser austreiben können. Denn die Immortelle ist kostbar und begehrt – in der Parfumindustrie, in der Aromatherapie und Aromapflege.

Die Immortelle leuchtet wie die Sonne selbst

Die Immortelle, die übersetzt die Unsterbliche heißt, wird botanisch als Helichrysum bezeichnet. Der Name stammt vom griechischen helios und bedeutet „Sonne“ oder „Gold“. Vielen ist sie als Currykraut bekannt. Das junge, grau-weißlich behaart Laub und die Sprossachsen etwa eignen sich zum Würzen von Speisen. Der currytypische Geruch entfaltet sich jedoch erst, wenn man die Blätter ein wenig zwischen den Fingern reibt.

Nahaufnahme einer Immortellenpflanze
Sonnige Schönheit
Foto: Claudia Reshöft

Oder bei regnerischem Wetter, wie vor wenigen Tagen. Da stürzte das Wasser vom Himmel und drückte die bis zu 60 Zentimeter langen Stängel zu Boden. Daher müssen die Männer die langen, dünnen Stiele samt Blüte vor dem Schnitt erst aufrichten. Denn in ihnen stecken die wertvollen Inhaltsstoffe, die sich die Aromatherapie zunutze macht.
Auf körperlicher Ebene wirkt die Immortelle wundheilend, entstauend und entzündungshemmend. Aufgrund ihrer zellregenerierenden Eigenschaft wird sie in der Hautpflege von reifer Haut und Aknenarben, aber auch bei Blutergüssen und kleinen Verletzungen eingesetzt. Und wer die Erscheinungsform der doldenartigen Blütenkörbchen betrachtet, kann nachvollziehen, welche Wirkung der Immortelle zugeschrieben wird: Es heißt, in ihrem Goldgelb sei die Sonne gespeichert, deren Energie sich bei der Anwendung ihres Öls oder Pflanzenwassers auf den Menschen überträgt. Sie stärkt die Nerven, löst Blockaden und schenkt uns Halt, wenn wir diesen verloren haben.

Die Immortelle stärkt die Nerven, löst Blockaden und schenkt uns Halt.

Demeter-Anbau auf Gut Bordeo

Auf Gut Bordeo, dem Anwesen der auf Korsika ansässigen Familie von Keyserlingk, wächst die Helichrysum italicum. Anbau und Aufbereitung erfolgen hier nach Demeter-Richtlinien für das im Allgäu ansässige Aromaölunternehmen Primavera Life (http://www.primaverlife.com). Um die späte Mittagszeit knattert ein wendiger Mini-LKW auf den Hof, fährt rückwärts in die Produktionshalle und kippt die Immortellenernte des Vormittags herunter. Eine sonnig-warme Duftwelle weht durch die Halle. Zügig breiten die Mitarbeiter die Büschel mit Forken flächig aus, denn jetzt soll es schnell gehen. Das würzige Kraut muss noch vor Einsetzen des Fermentationsprozess destilliert werden.

Bei der Dampf-Destillation wird das Pflanzenöl vom Pflanzenwasser getrennt
Erst nach sorgfältiger Destillation lösen sich die wertvollen Inhaltsstoffe
Foto: Pascaline Photographies

Eine Hebekran bewegt die Aromapakete fuderweise in einen großen zylindrischen Kessel. Das Immortellenkraut wird zwischendurch immer wieder von einem mit Zement beschwerten Stein zusammengepresst. So lange, bis nichts mehr hineinpasst. Dann wird das Pflanzenmaterial in dem bis ins untere Geschoss reichenden Tank mit 800 Liter Wasser unter Dampf gesetzt, um die phytochemischen Verbindungen der Immortelle zu extrahieren. Bereits nach zehn Minuten hat sich 80 Prozent des Öls gelöst, aber auf Gut Bordeo dauert die Destillation etwa drei Stunden. Denn erst dann lösen sich die besonders wertvollen, hochwirksamen Inhaltsstoffe.
Das ätherische Öl fängt sich in den Aufpralltellern der sogenannten Florentiner Vase. Hier wird es von dem Pflanzenwasser getrennt und später abgeschöpft. Auf diese Weise lassen sich aus 1,2 Tonnen Pflanzenmaterial rund zwei Liter konzentriertes Aromaöl gewinnen. Das ist wenig Ausbeute für so viel Arbeit!

SOS-Spray für schwierige Zeiten

Das Immortellen-Öl ist hochkonzentriert und hochwirksam. Doch auch das Pflanzenwasser, Hydrolat genannt, kommt in der Aromatherapie und Aromapflege zur Anwendung.
Ute Leube von Primavera Life ist in diesen Tagen auf Korsika zu Besuch bei ihrem langjährigen Anbaupartner Albrecht von Keyserlingk. Forscher ihres Unternehmens haben lange Zeit daran getüftelt, das Immortellen-Hydrolat ohne den Zusatz von Alkohol so weit zu stabilisieren, dass es über 26 Monate haltbar und keimfrei bleibt. „Nun setzen wir ein Fermentationsprodukt von Milchsäurebakterien ein, das zudem über eine pflegende Eigenschaft verfügt und hilft, die Hautflora in gesunder Balance zu halten.“ Gutsbesitzer Albrecht von Keyserlingk, der sich auf den Anbau von Aromapflanzen spezialisiert hat, interessiert sich vor allem auf die seelenheilende Wirkung: „Immortellenwasser beruhigt und entspannt auch unter dem Aspekt der Innenschau. Der Duft kann dabei unterstützen ‚Knoten‘ in unseren Emotionen zu lösen, wenn wir uns in schwierigen Zeiten befinden.“

Die Sonne im Gepäck

Ein Strauß Immortellen neben einer Tasse Kaffee
Mein Korsika-Souvenir: Ein Sträußchen wild wachsender Immortellen
Foto: Claudia Reshöft

Für manche ist das Immortellen-Hydrolat zu einer Art Allheilmittel geworden. Es werden damit Sonnenbrände gelindert, Muskelkater, blaue Flecken, Zerrungen und Stauchungen behandelt. Ich habe in den wilden Bergen Korsikas ein Sträußchen der „Unsterblichen“ als Souvenir gesammelt. Es hängt in meiner Küche und hat auch viele Monate noch seine sonnengleiche Farbe und den herb-süßen, krautig-warmen Duft bewahrt, der mich an die Sonne Korsikas erinnert.

Wie Ute Leube mit ihrem Unternehmen gewachsen ist, lest ihr in meinem Porträt Die Bio-Pionierin aus dem Allgäu:
www.strandkorb-gefluester.de/2020/07/27/ute-leube-die-frau-aus-der-zweiten-reihe/

Mehr Infos über die Pflanzenwässer und Aromaöle findet ihr hier: http://www.primaveralife.com

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